Rückblick auf das Sommercamp 2026: „Trommle mein Herz für das Leben, singe mein Mund dem Frieden!“

von Anamaria Bucila aus Cluj-Napoca/Klausenburg in Rumänien, 7.9.2026

Hallöchen, lieber Leser! Vielleicht fragst Du dich schon, warum der Titel dieses Textes so lang ist und was es bedeutet. Nun, einiges kann ich Dir jetzt schon verraten. Diese paar Versen aus einem wunderschönen Lied, tragen genau das Gefühl, dass das Sommercamp mir gegeben und hinterlassen hat. Ich hoffe, dass dieser Text Dir auch ein bisschen dieses Gefühl übertragen kann, dass musst du mir danach sagen 🙂 .

Das Sommercamp 2026 in Birthälm war auf jeden Fall einen Highlight meines Sommers. Ich habe viele nette Personen getroffen, bei interessanten Aktivitäten mitgemacht und vor allem viel Spaß gehabt. Deshalb möchte ich Dich, lieber Leser, auf eine kurze, aber bedeutungsvolle Reise durch meine Erfahrungen und Erlebnissen einladen, die mir während dieser zwei wundervollen Wochen meine Seele bereichert haben. Auf geht’s!

Zuerst möchte ich über etwas sprechen, dass mir schon am ersten Tag aufgefallen ist und dass mich wirklich überrascht hat. Es war das erste Mal für mich auf einen solchen Sommercamp und meine Motivation zu kommen war eigentlich, dass ich etwas Neues ausprobieren wollte. Ich bin ein 16 Jähriges Mädchen, dass aus Klausenburg, Rumänien, kommt und ich und studiere Deutsch schon seit etwa 11 Jahren in der Schule, deshalb habe ich auch gedacht, dass dieser Camp eine gute Möglichkeit wäre, mein Deutsch zu üben. Die versprochenen Aktivitäten fand ich auch interessant und ich freute mich auf das Treffen mit anderen Jugendlichen, die aus verschiedenen Ländern oder Teile Rumäniens kamen. Ich würde mich als eine freundliche, aber introvertierte Person beschreiben und wahrscheinlich auch wie anderen, war ich aufgeregt im Camp zu sein und liefen mir Fragen durch den Kopf: „Wie wird es sein? Werde ich mich mit den anderen verstehen? Was, wenn mich niemand mag?“ und so weiter und sofort… Vielleicht war ich auch deswegen von der Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen überrascht. Ich wurde mit Wärme willkommen und ich habe mich nicht ein einziges Mal ausgeschlossen gefühlt. Von Anfang an wurde uns gesagt, dass unabhängig von Religion, Land oder Geschlecht alle willkommen und gleich sind, dass alle gleich behandelt werden. Ich danke den Betreuern sehr, dass sie immer aufmerksam darauf waren, dass es allen gut ging und dass sie so einen sicheren Raum für alle kreiert haben.

Meine nächste Punkte sind eng mit meinem ersten Eindruck verbunden und zwar geht es um Humanität, Freundschaft und Verständnis. Ich habe gelernt, dass es keine Rolle spielt, wie jemand aussieht und woher jemand kommt, denn am Ende des Tages sind wir alle Menschen und ich habe gemerkt, dass jeder etwas Interessantes erzählen und mitteilen kann. Und die allerschönsten Sachen, die ich erleben konnte, waren die Freundschaft und das Verständnis zwischen Personen aus verschiedenen Kulturen, Völkern, Ländern und die großartige Chance zur Kommunikation dank der deutschen Sprache. Es ist für mich einfach faszinierend, dass ich klar und deutlich mit Personen aus der Ukraine, Palästina, Syrien und Deutschland kommunizieren konnte und ihren Geschichten zuhören konnte. Es war ohne Frage eine Erweiterung meines Horizonts.

Als Nächstes möchte ich die super gute Planung der ganzen Aktivitäten loben! Alles wurde prima organisiert und ich mochte, dass es einigermaßen auch spontan war, weil wir stets wählen konnten, ob wir bei dieses oder das andere mitmachen wollten. Einige waren unzufrieden, dass wir nicht in voraus das Programm kannten, aber für mich war es perfekt, es am Morgen zu erfahren, damit ich nicht mit zu vielen Informationen belastet war und mich in der Gegenwart freuen konnte. Das Wesentliche wurde uns aber immer rechtzeitig gesagt.

Nun, möchte ich ein paar der tollen Aktivitäten beschreiben. Es waren sehr viele neue Sachen für mich und ich habe auch Neues über mich und meine Vorlieben gelernt. Zum Beispiel bin ich zum ersten Mal Zelten gegangen, war auf eine richtige Wanderung, habe arabisches Essen probiert und habe eine Zigeunerfamilie besucht. Einzigartige Erlebnisse waren auch der Besuch bei den Büffeln, bei den Hirten (wo wir mit den Kutschen gefahren sind, das war mega cool!) oder bei den Bienenstöcken. Einer meiner Lieblingserlebnisse war auch der Tag, dass wir bei den Salzseen verbracht haben, wo wir Langos und Eis gegessen, uns mit Heilschlamm eingewickelt haben und uns einfach in das salzige Wasser entspannt haben. Die Malen- und Töpfernworkshops waren auch eine super Möglichkeit sich zu entspannen, kreativ zu sein und das Gefühl zu haben, dass man etwas Wertvolles und Schönes geleistet hat. Im Allgemeinen haben all diese Programmpunkte mein Interesse geweckt, sowohl für neue Hobbys, als auch mehr über Themen zu erfahren, über denen ich vorher wenig oder gar nichts wusste, beispielsweise das Leben eines Hirten, der Herstellungsprozess des Honigs oder sächsische Tänze.

Doch tatsächlich sind es die kleinen Momente, die ich am meisten geschätzt habe, wie die stille Nachtwanderung mit der Beobachtung der Sterne am Himmel, das Singen beim Lagerfeuer, die Busfahrten, der Frühstück begleitet mit dem Sehen von fröhlichen Gesichtern jeden Morgen, die Spaziergänge durch Schäßburg und Hermannstadt mit den anderen, das Singen, bevor das Essen und sogar das Abspülen des Geschirrs hat Spaß gemacht, weil wir das zusammen taten. Das Spielen von Karten, die Gespräche mit den anderen und das kleine Opernkonzert (vom ersten Tag) sind natürlich auch in diesen bleibenden Erinnerungen enthalten. Diese, eigentlich auf den ersten Blick unscheinbare Momente sind der Kern. Sie sind die, die der ganzen Erfahrung Leben und Energie einflössen, wofür sich alles lohnt.

Bei diesen kleinen Momenten kommt für mich auch noch die Musik dazu, die durchaus meine Tage im Camp geprägt und unvergesslich gemacht hat. Sei es beim Lagerfeuer, bei den Gitarrestunden mit Wolfgang, im Chor, beim Morgenkreis oder nur bevor wir picknicken, es hat wirklich einen Unterschied gemacht und ich glaube, dass uns die Musik wahrhaftig näher zueinander gebracht hat. Sie war einfach eine unendliche Quelle von guten Launen, inneren Ruhe und aufrichtigen Freude, mit der anderen Zeit zu verbringen, sie gab dir den alten, guten Angehörigkeitsgefühl, der wir uns alle wünschen. Zudem habe ich neue Fähigkeiten und auch eine gewisse Leidenschaft für Gitarre spielen entwickelt, die ich weiterhin zu vertiefen hoffe. Also kann ich jetzt nur das sagen: „Thank you for the music, the songs I’m singing…“ 🙂

Ehe ich es vergesse, lieber Leser, möchte ich noch hinzufügen, dass die Ausflüge und Besuche mir auch die Schönheit meines eigenen Landes gezeigt haben, welchem ich bis jetzt nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt habe, ich weiß auch nicht warum. Aber jetzt konnte ich alles durch die Touristenlinse sehen und ich wurde nicht nur ein Mal überrascht: von der Natur mit ihren tiefgrünen Wäldern und strahlenden Blumen, der Freundlichkeit der Menschen und wie gut rumänisches Essen eigentlich schmeckt (danke insbesondere unseren beiden Köchinnen). Deshalb ein großes danke dafür, dass ich auf die Schönheit der Welt um mich nicht mehr verzichte und ich sie in all ihrer Pracht wahrnehme.

Bevor ich schließlich wieder zu mich komme, möchte ich mich herzlich an unseren Betreuern Andrea, Rüdiger, Ulf, Rosi, Wolfgang, Doris, Johannes, Kevin, Melissa und Melinda bedanken. Ihr habt alle, diese Erfahrungen möglich gemacht und jeder von Euch hat eine essenzielle Rolle auf diese gemeinsame Reise gespielt. Also, liebe Betreuer, vielen herzlichen Dank!

Anschließend  freue ich mich Dir einen Blick auf meine persönliche Entwicklung während des Camps werfen zu lassen, lieber Leser. Ich habe so vieles gelernt, doch vor allem mehr Vertrauen in mir zu haben. Auch den Mut zu haben, mit anderen Menschen Gespräche zu führen und sie kennenlernen. Ich habe Freundschaften gebunden und Personen gefunden, die gleich wie ich denken oder dieselben Sachen mögen, oder verschiedene Perspektiven bringen und sich so interessante Diskussionen entwickeln. Diese Erlebnisse waren auf jeden Fall aufbauend für mich als Person: ich habe mehr Selbstvertrauen, bin mehr offen, hilfsbereit und verständnisvoll. Ich bin auch sicherer geworden, mich auf Deutsch zu äußern. Alles was ich in diese zwei Wochen erlebt habe, war genau meine Tasse Tee. Für mich war alles in Ordnung gewesen und ich glaube, für die meisten war es auch, aber behalte im Sinn, lieber Leser, dass ich alles aus meiner Sicht und meiner Gefühle nach erzähle. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr auch dabei sein kann, wenn es sich wieder die Möglichkeit dazu ergibt und sowohl alte als auch neue Gesichter treffe 🙂

Die Erzählung kommt langsam zu ihrem Ende, wie all die schönen, bedeutungsvollen Sachen auf dieser Welt und bevor ich mit dem Schreiben aufhöre, lieber Leser, möchte ich mich mit einem Gedanken verabschieden: Wie Goethe einmal gedichtet hat: „Verweile doch, du bist so schön!“, so erinnere ich mich auch an das Camp. Wie an einer duftenden Blumenwiese im Sommer, die dich mit ihrem Parfüm einlädt eine Weile dort zu bleiben und die Natur, die Welt zu genießen, während die Sonnenstrahlen dein Gesicht streicheln. Ich werde diese Wiese mit all den schönen Blumen stets im Herzen behalten und sie so oft besuchen wie möglich, denn dort kann das Herz dem Leben trommeln und das Mund im Frieden singen.